Warum für Freiwilligenarbeit bezahlen?

“Warum kostet Volunteering im Ausland Geld?” ist eine der am häufigsten gestellten Fragen zum Thema Freiwilligenarbeit. Oder anders formuliert: Warum muss ich dafür bezahlen, wenn ich meine Arbeitskraft und -Zeit kostenlos zur Verfügung zu stelle? Die kurze Antwort lautet: Weil das Ganze Kosten verursacht und jemand die Rechnungen bezahlen muss. Wir erklären, warum das im Bereich der Freiwilligenarbeit so ist.

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Zuerst sei erwähnt: Freiwilligenarbeit ist eine gute Sache, denn es handelt sich bei ihr um ehrenamtliches Engagement. Das heißt, neben der eigenen persönlichen Weiterbildung, Absolvierung eines Praktikums und Erweiterung seines Erfahrungshorizontes nimmt das altruistische Handeln in einem oft gemeinnützigen Projekt eine zentrale Rolle ein.

Die Antwort auf diese Frage ist schnell gegeben und recht simpel: Freiwilligenarbeit kostet Geld! Im Ausland in der Regel mehr als im Inland. Auch wenn die eigenen Dienste freiwillig angeboten werden, so entstehen in jedem Freiwilligenarbeitsprojekt dennoch Kosten, beispielsweise durch Unterkunft und Verpflegung. Darüber hinaus fallen Material- und Personalkosten innerhalb des Projektes an. Viele Projekte finden in abgelegenen Regionen inmitten der Natur statt, weshalb sich vor allem die logistische Versorgung als extrem aufwendig gestalten kann.

Zudem sind Projekte, die nicht durch Regierungen, Stiftungen oder NGOs gefördert werden, oft darauf angewiesen, andere Wege der Finanzierung zu finden. Die Beiträge der Freiwilligen helfen in diesem Zusammenhang die Projekte am Leben zu halten und wichtige Ideen und gemeinnützige Initiativen überhaupt erst umsetzen zu können.

 

Welche Kosten entstehen bei der Organisation eines Freiwilligen-Programms? 

 

Ein qualitativ hochwertiges Freiwilligen-Projekt zu organisieren ist eine komplizierte Angelegenheit. Es gilt die Wünsche und Bedürfnisse dreier Interessensgruppen zu befriedigen:

  1. Die Freiwilligen

  2. Das Projekt, das die Freiwilligen empfängt (z. B. eine Schule oder ein Naturschutzgebiet)

  3. Die Nutzer des Projekts, in dem sich die Freiwilligen engagieren (z. B. das Waisenhaus, die Lehrer, die Betreuer der Schützlinge, usw.)

Deswegen fangen die Kosten schon lange vor dem Arbeitsantritt der Freiwilligen mit der Vorbereitung an:

  • Der Wohnbereich, der Freiwilligen muss eingerichtet werden, die Sanitäranlagen müssen auf westlichen Standard gehalten werden und regelmäßig diverse Abnutzungen repariert werden!

  • Erfahrene, hauptamtliche Mitarbeiter übernehmen die Betreuung der Freiwilligen: 24 Std. Ansprechpartner und Begleitung, Verköstigung und Reinigung, administrativer Aufwand für die Freiwilligen und all diese Mitarbeiter vor Ort müssen ein Gehalt bekommen.

Information und Auswahl potenzieller Freiwilliger. Anschließend muss das Projekt bekannt gemacht werden.

 

Dazu fallen:

  • Druckkosten für Broschüren an,

  • Gebühren für die Teilnahme an Messen oder

  • Kosten für die Erstellung einer Website.

  • Wieder müssen Mitarbeiter bezahlt werden, die die Fragen interessierter Personen beantworten und evtl. die richtigen Freiwilligen auswählen.

Kosten am Einsatzort: mehr als nur Unterbringung & Verpflegung

Auch der Aufenthalt am Einsatzort ist nicht kostenlos, selbst wenn die Lebenserhaltungskosten vergleichsweise niedriger als in Europa ausfallen. “Na klar,” sagen jetzt einige, “Natürlich bin ich bereit, für Unterkunft und Verpflegung zu bezahlen.” Aber damit ist es leider nicht getan.

Hast du auch an diese Dinge gedacht?

  • Transportkosten vom und zum Flughafen
    Allein dieser Punkt kann bei Projekten, bei denen du im Geländewagen (Anschaffungs- und Unterhaltungskosten!) in ein im ländlichen Raum gelegenes Projekt gebracht wirst, mit mehr als 100€ zu Buche schlagen.

  • Personalkosten für die Personen, die dir ggf. bei Problemen helfend zur Seite stehen

  • Organisation von Fortbildungen oder Treffen einer Volunteer-Community

  • Vorbereitung für den Einsatzbereich der Freiwilligen, als Beispiel: In den Maasai Dörfern wird vorab der Einsatz mit den Bewohnern abgesprochen und vorbereitet und das ist mit erheblichen Kosten verbunden denn gerade in unserem Bereich, wohnen die meisten Frauen, Frauen-Gruppen nicht bei uns!

 

Selbst nach der Rückkehr gehen die Ausgaben weiter:

  • Kosten für Reports, denn der Einsatz der Freiwilligen muss genauso aufgezeichnet werden, wie von jeder Klienten/innen, an das zuständige Amt in Arusha.

Büro-, Personal-, Verwaltungs-Kosten

Während der gesamten Dauer dieses Prozesses fallen für die Freiwilligenorganisation dieselben Kosten an, wie für andere Organisationen auch:

  • Miete, Strom, Wasser, Heizung

  • Buchhaltung

  • Telekommunikation

  • Büro-Ausstattung und Computer

  • Versicherungen der Mitarbeiter

  • Rechtsbeistand

  • usw.

  • Vielfach sowohl in ihrem Heimatland als auch im Zielland.

 

Selbst wenn der Gewinn bei 5-10% liegt (real ist es häufig eher weniger) bedeutet dies, dass von einem Teilnahmebeitrag von 2.000€, nur 100-200€ nicht von den Kosten verschlungen werden. Umgekehrt heißt das auch, dass das Projekt selbst ohne den Unternehmensgewinn immer noch 1.800-1.900€ kosten würde.

Denkst du nun immer noch, dass Freiwilligenarbeit kostenlos sein sollte?